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Selbständigkeit von Migranten im Handwerk

Der Meisterzwang verhindert Selbständigkeit -auch für Menschen mit Migrationshintergrund.

Wegen fehlender oder mangelhafter Sprachkenntnisse fällt es vielen Menschen mit Migrationshintergrund schwer den Ausbildungsgängen zu folgen. Informationen über die Anerkennung von im Ausland erworbenen Erfahrungen fehlen häufig. Unter mangelhafter Information über Ausnahmebewilligungen und Ausnahmereglungen leiden Menschen mit Migrationshintergrund noch stärker als Einheimische, weil vorhandenen Informationen wegen der Sprachschwierigkeiten von den Betroffenen nicht verstanden werden. Informationen über die Möglichkeiten ohne Meisterbrief ein Handwerk selbständig auszuüben erreichen Migranten in den seltensten Fällen.

Dieses Thema wird von verschieden Studien immer wieder als Integrationshindernis benannt.
So heißt es z.B. im 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration,
Flüchtlinge und Integration
über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (Dezember 2007):

Anhand von Studien (Leicht, Rene a.a.O.; Franken, Swetlana a.a.O.; KfW-Research, Nr. 27 a.a.O.
sowie Deutsche Ausgleichsbank: Wirtschaftsdynamik durch Existenzgründungen von Migranten,
Bonn 2003.) lassen sich eine Reihe von Besonderheiten von Migrantenbetrieben herausarbeiten:

– …

– Selbststandige Migrant/innen sind unterdurchschnittlich im Handwerk tatig.

Das Informationsangebot zu den Anerkennungsmöglichkeiten und -zuständigkeiten für
Zuwandernde ist schlecht. Gesetzliche Vorgaben zu den Anerkennungsverfahren gibt es
lediglich für Spätaussiedler/innen, die einen Rechtsanspruch auf Anerkennungsverfahren
in allen Berufen haben, sowie hinsichtlich bestimmter Berufe auch für Unionsbürger/innen.
In weiten Teilen sind Zuwandernde für die Anerkennung ihrer Qualifikationen auf den
freien Markt und damit auf die Bereitschaft und Fähigkeit individueller Arbeitgeber
verwiesen, fremdsprachige Zeugnisse zu akzeptieren und ausländische Ausbildungen
zu bewerten. Problematisch ist dies angesichts von Hunderten von Ausbildungsberufen
im dualen System insbesondere bei Berufsausbildungen und Meisterabschlüssen.
Die formale Vergleichbarkeit von Berufsausbildungen und die gegenseitige Anerkennung
beruflicher Zeugnisse ist bilateral nur mit Österreich, Frankreich und der Schweiz
(nur Handwerk) geregelt.

In der Studie „Die Bedeutung der ethnischen Ökonomie in Deutschland, Institut für Mittelstandsforschung
Mannheim, Dr. Rene Leicht, April 2005 – Kurzfassung
“ heißt es:

S. 12: Selbständige Migranten im Handwerk unterrepräsentiert

Vielen Migranten fehlt es auch an den qualifikatorischen und formalen Voraussetzungen,
um in andere Tätigkeitsfelder vorzudringen. Dies betrifft auch den Zugang zum Handwerk,
wenngleich die Novellierung der Handw erksordnung hier Erleichterungen schuf. Die 38.000
selbständigen Handwerker mit Migrationshintergrund stellen ungefähr 4.5 % aller in
Deutschland registrierten Handwerksbetriebe. Die meisten sind dem handwerksähnlichen
Gewerbe zuzuordnen. Unter den italienischen Handwerksbetrieben kann nur ein Viertel
der Inhaber einen Meistertitel vorweisen, unter denjenigen mit türkischer Führung
nur ein Fünftel und bei den Griechen ist es lediglich jeder Zehnte.

Da der Anteil von selbständigen Migranten unter allen Selbständigen 7.6 % der
unter den Handwerksbetrieben aber weniger als 5% beträgt, ist von einem noch
großen Nachholpotenzial auszugehen – insbesondere auch deswegen, weil Ausländer
unter den abhängig Beschäftigten des Handwerks überproportional vertreten sind.
Das heißt im Handwerk bietet sich den ausländischen Beschäftigten ein Reservoir
an Existenzgründungsmöglichkeiten, das zum einen durch die novellierte Handwerksordnung
und zum anderen dadurch ausgeschöpft werden kann, wenn die Migranten einen erfolgreicheren
Weg durch die Berufsbildungsinstanzen. insbesondere zur Qualifikation als Meister
finden.

S. 24:
Zu den Defiziten und verbesserungswürdigen Tatbeständen und den sich daraus
ergebenden Handlungsfeldern und -bedarfen zählen:

– …

– die geringe Präsenz von Migrantenbetrieben im Handwerk. Obwohl gerade im
Handwerk der Beschäftigtenstamm stark durch Ausländer besetzt ist, schlägt sich dies
nicht adäquat in beruflichen Kaffieren bzw. Meisterprüflingen nieder, die dann eigene
Handwerksbetriebe gründen könnten. Hier dürfte aber die Novellierung der
Handwerksordnung mittelfristig greifen.

S. 25 f.:
Einzelne Empfehlungen

Politische Instrumente und administrative Maßnahmen, die dazu geeignet sind,
die empirisch aufgezeigten Unzulänglichkeiten und Defizite zu mindern, wurden an
anderer Stelle von den Autoren dieser Untersuchung erörtert und können im Rahmen
dieser Kurzfassung nur angerissen werden. Sie betreffen
für die Erleichterung der Zugangswege in die berufliche Selbständigkeit, vor
allem für Höherqualifizierte durch Maßnahmen auf der Ebene der Zuwanderungssteuerung: …
der Arbeitsmarktsteuerung:

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist stark berufsfachlich strukturiert und die
Zugänge in die Selbständigkeit sind durch Bildungszertifikate reguliert
(z.B. Freie Berufe). Die Vergleichbarkeit und daher Verwertbarkeit von im
Ausland erzielten Berufs bildungsabschlüssen (v.a. von Diplomen). muss
daher verbessert und institutionell (Kammern) abgestimmt werden. Die
notwendige Verringerung qualifikationsbezogener Hürden darf jedoch nicht
zu einer generellen Absenkung der Leistungsanforderungen führen.
Dies betrifft auch den Zutritt zum Handwerk. …

Presseberichte: Selbständigkeit im Handwerk, Integration, Migranten

Weitere Informationen


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