200302qualitaetsargument

Der Meisterzwang taugt nicht zur Sicherung der Qualität
oder zum Verbraucherschutz

In ihrer Stellungnahme zur Verfassungsbeschwerde
1 BvR 2176/98 hat die Arbeitsgemeinschaft der
Verbraucherverbände e.V. (AgV) ausgeführt:

„Die AgV teilt die Auffassung des Beschwerdeführers,
dass das Erfordernis der Meisterprüfung bzw. des Großen
Befähigungsnachweises für das selbständige Führen eines
Handwerksbetriebs weder aus Gründen der Qualitätssicherung
und damit des Verbraucherschutzes notwendig ist, noch einer
wettbewerbsbegünstigenden Angebotsentwicklung dienlich ist.
Die derzeitigen Regelungen lassen auf die Auffassung des
Gesetzgebers schließen, dass die Gesellenausbildung in
Deutschland nicht hinreichend sei, um den Kunden
ausreichend qualitätsgerechte Handwerksleistungen
anzubieten. Dies vermögen wir nicht nachzuvollziehen.
Unseres Erachtens werden damit überspannte Anforderungen
aufgestellt. In der Praxis sind es ohnehin gerade die
Gesellen, die die handwerklichen Arbeiten verrichten,
während sich die Meister häufig auf verwaltende Tätigkeiten
beschränken“.

Für die Bereiche, die sicherheitsrelevant sind, werden die
Verbraucher bereits durch andere Gesetze geschützt, z.B. :

  • Für die „Gesundheitshandwerke“ (Augenoptiker,
    Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker, Orthopädieschuhmacher
    und Zahntechniker) gilt das strengere Medizinproduktegesetz (MPG).
    Es ist rechtlich umstritten, ob diese Handwerker überhaupt noch
    unter den Meisterzwang fallen, da für sie ein Spezialgesetz
    erlassen wurde und es hier jedenfalls unverhältnismäßig wäre,
    zusätzlich zu den EG-rechtlich zwingenden Vorschriften des MPG
    auch noch die Anforderungen der Handwerksordnung zu erfüllen.
    Jedenfalls bedarf es bei diesen Handwerken keines Meisterzwangs,
    um dem Verbraucherschutz Genüge zu tun.
  • Für Strom und Gas gibt es
    • die „Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit
      elektrischer Arbeit aus dem Niederspannungsnetz der
      Elektrizitätsversorger“,
    • die „Verordnung über die Allgemeinen Bedingungen für
      die Versorgung mit Wasser“ und
    • die „Verordnung über die Allgemeinen Bedingungen
      für die Gasversorgung von Tarifkunden“

Viele wirtschaftswissenschaftliche Studien von renommierten
Stellen (Monopolkommission, Deregulierungs-kommission, DIW,
IfW, IWH, Ifo, Sachverständigenrat) erwarten besseren Service
und niedrigere Preise bei Abschaffung des Meisterzwangs. Die
Qualität wird durch den Wettbewerb und bei Nichterfüllung von
Qualitätsanforderungen von Gerichten durchgesetzt. Auch bei
Meisterbetrieben werden dafür häufig die Gerichte bemüht.

Der Verbraucher muß entscheiden dürfen, welchen Qualitätsstandard
er haben möchte. Nur weil es Spitzenprodukte der Automobilindustrie
mit besten Leistungen und höchster Sicherheit gibt darf man noch
nicht die Benutzung von Wagen der Mittel- und Kleinwagen-Klassen
verbieten und alle Leute zwingen, die großen Daimler oder BMW zu
fahren. Für viele Menschen würde dies bedeuten, dass sie zu Fuß
gehen müssen, weil sie sich solche Autos nicht leisten können.
Man muss auch Golf oder Trabi fahren dürfen – d.h. für den
Bereich handwerklicher Leistungen : sich mit Arbeit auf
Gesellen-Niveau oder nach „do-it-yourself-Art“ zufrieden
geben können.

Interessant ist im übrigen:

Nach einer Untersuchung von 1997 der Nürnberger Gesellschaft
für Konsumforschung beurteilten in einer bundesweiten Umfrage
fast 30 Prozent der Befragten die Qualität der Arbeit von
illegal Beschäftigten besser als die von offiziell beauftragten
Handwerkern. Fast die Hälfte meinte, dass Schwarzarbeiter ihre
Aufträge schneller erledigten. – Die „illegal Beschäftigten“
sind häufig die Gesellen, die Ihr Gewerbe nicht anmelden dürfen.

Weitere Informationen


http://www.buhev.de/

Bei Anmerkungen und Kritik freut sich der BUH über email, Post oder FAX an die Geschäftsstelle.

BUH e.V.: Artilleriestr. 6, 27283 Verden,

Tel: 04231-9566679, Fax: 04231-9566681,


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